Seit Mai 2010 befindet sich der 24-jährige Obergefreite der US-Armee Bradley Manning in Haft und wird beschuldigt, geheime Informationen an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergeleitet zu haben, darunter auch das „Collateral-Murder-Video“, das die Ermordung von Zivilisten durch amerikanische Hubschrauberpiloten im Irak-Krieg zeigt. Auch die Revolutionen im Arabischen Frühling wurden maßgeblich durch die Botschaftsdepeschen gefördert.
In einem ihm zugeschriebenen Chatprotokoll äußert Manning, er habe die Informationen veröffentlicht, um “weltweite Diskussionen, Debatten und Reformen” auszulösen und die Wahrheit für alle Menschen ans Licht zu bringen, “weil man ohne Informationen als Öffentlichkeit keine begründeten Entscheidungen treffen kann”.
Nach seiner Festnahme wurden seine Einzelhaftbedingungen von Amnesty International als „menschenunwürdig“ bezeichnet. Erst nach massivem, weltweitem Protest wurden Bradleys Haftbedingungen etwas gemildert. Es lässt vermuten, dass an ihm ein Exempel statuiert werden soll, um künftige Whistleblower abzuschrecken.
Das Hauptverfahren soll mit der Anklageverlesung am am 23. Februar vor einem Militärgericht in Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland beginnen. Bei einem Schuldspruch droht Bradley eine Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen des Kapitalverbrechens “Unterstützung des Feindes” (“aiding the enemy”). Dafür könnte er theoretisch sogar zu Tode verurteilt werden – aber die Anklage wird nach eigenen Angaben dies nicht beantragen.